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Die letzten zwei Jahre waren auch im Privaten ein Digitalisierungs-Booster. Tagsüber Homeoffice und Homeschooling, abends am Smartphone oder Tablet Nachrichten lesen und mit Familie und Freunden facetimen. In Zeiten intensiver Nutzung von Handy & Co. hat das Thema Kurzsichtigkeit bei der Gesundheitsvorsorge rund um das Auge umso mehr an Bedeutung gewonnen. Myopie-Management ist auch einer der Schwerpunkte der Sonderedition der opti vom 13. bis 15. Mai 2022 auf dem Messegelände München.

Kurzsichtigkeit beginnt üblicherweise schon während der Grundschulzeit. Bis zur Pubertät betrifft sie in unseren Breiten aktuell ca. jedes dritte Kind, bis zum frühen Erwachsenenalter knapp 50 Prozent. Corona war, wie eine aktuelle chinesische Studie belegt, bei den Schülern ein Myopie-Turbo. Bis zum Jahr 2050 werden voraussichtlich fünf Milliarden Menschen kurzsichtig sein.

Frühe Kurzsichtigkeit, spätes Risiko

„Myope Patienten haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Augenerkrankungen im Erwachsenenalter.“ – Dr. med. H. Kaymak, Leiter des MVZ Oberkassel Makula-Netzhaut-Zentrums und Experte der Webinar-Reihe opti FORUM XT –

Für Erkrankungen wie Katarakt bedeute das ein dreifaches Risiko, für Netzhautablösung ein vier- bis zehnfach erhöhtes, für Glaukom sogar ein bis zu 14-faches Risiko, erklärt Dr. Kaymak die Tragweite von Kurzsichtigkeit. Auch Erkrankungen wie myope Makulopathie, Makulaforamen und choroidale Neovaskularisationen, die mit zum Teil irreversiblen Sehbeeinträchtigungen einhergehen, kann Myopie begünstigen.

Der Grund für Kurzsichtigkeit ist das Wachstum des Auges. Schon im Kindesalter lässt sich durch eine so genannte Achslängenmessung, d.h. die Messung der Länge des Augapfels, erkennen, wenn das Auge stärker wächst als normal. „Das ist ein Zeichen dafür, dass eine Myopie-Entwicklung stattfindet, bevor dies in der Refraktion sichtbar wird und vor allem bevor die Eltern oder das Kind selber merken, dass das Sehen schlechter geworden ist.“, so Dr. med. H. Kaymak.

Myopie-Management ist interprofessionell

Es gibt jedoch inzwischen Möglichkeiten, Myopisierung zu verlangsamen oder sogar zu stoppen, wobei dem Augenoptiker, dem Optometristen und dem Ophthalmologen eine entscheidende Rolle zukommt.

Beim Myopie-Management geht es darum, Kinder und Eltern hinsichtlich der möglichen Risiken und eventuell angeratener Verhaltensänderungen zu informieren, die verschiedenen Versorgungsoptionen aufzuzeigen und gemeinsam die optimale Variante auszuwählen, um die Myopie-Progression zu verlangsamen.“ – Mareike Noé, M.Sc. Optometrie, Marketingmanager Visall

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Visall ist Experte auf dem Gebiet des Myopie-Managements und als solcher auf der opti 2022 in München vertreten.

Auch Hoya Vision Care zeigt von 13. bis 15. Mai auf der Internationalen Messe für Optik & Design, wie innovatives Myopie-Management funktioniert.

„Im Myopie-Management geht es um eine ganzheitliche Betrachtung der Entwicklung für Kursichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen. Hier handelt es sich nicht allein um die optimale Korrektur, sondern auch um eine interprofessionelle Zusammenarbeit für die Augengesundheit der Betroffenen. Daher gehört neben der Refraktion auch eine Risikoanalyse mit unterschiedlichen Aspekten, wie der Augenlänge und Myopie entsprechend dem Alter, der Sehgewohnheiten und dem binokularen Status dazu.“ – Patrick Bartz, Technical Product Manager Marketing bei Hoya –

Mittels Brillengläser werde Kurzsichtigkeit auf zweierlei Art behandelt: „Prinzipiell gibt es zwei unterschiedliche Philosophien, die eine bestehend aus Mehrstärkengläsern, welche hauptsächlich den Akkommodationsaufwand unterstützen, aber die Progression der Myopie wenig mindern“, führt Patrick Bartz aus.

Der Brechungsfehler des Einstärkenglases werde durch Mehrstärkengläser kaum korrigiert. Die andere Variante sei das MiYSOMART Glas mit D.I.M.S Technologie. D.I.M.S steht für Defocus Incorporated Multiple Segments und wurde in Zusammenarbeit mit der Hongkong Polytechnic University entwickelt. Ein solches Brillenglas gleicht beim Tragen einem herkömmlichen Einstärkenglas. Die Vorderfläche beinhaltet jedoch hunderte kleine Segmente. So korrigiert das Glas den hyperopen Defokus und vermindert das außergewöhnliche Fortschreiten der Kurzsichtigkeit.

Die Therapieform individuell entscheiden

Das Myoslow-Brillenglas von Visall ist wiederum Teil eines kompletten Konzepts, das u.a. die Myopie-Anamnese, Refraktion und den Myoslow Preference Test umfasst. „Unser Myoslow-Brillenglas sehen wir als eine mögliche Alternative zu Kontaktlinsen oder Augentropfen, um den Anstieg der Kurzsichtigkeit zu bremsen“, sagt Mareike Noé. Denn neben Brillengläsern kommen zur Myopie-Kontrolle traditionell die Orthokeratologie (Ortho-K; Nachttragelinse) oder Atropin-Augentropfen zum Einsatz. „Welche Therapie für welches Kind die passende ist, muss individuell entschieden werden. Ich empfehle zum Einstieg gerne die Brillengläser, da diese einfach anzuwenden und nicht invasiv sind“, so Dr. med. H. Kaymak.

Wichtig für erfolgreiches Myopie-Management sind die richtigen intelligenten diagnostischen Lösungen und Technologien, von opti-Aussteller Topcon Healthcare zum Beispiel oder auch von Oculus. Das Familienunternehmen mit Sitz in Wetzlar zeigt im Mai in Halle C4 Instrumente, die mit spezieller Software zur Myopie-Kontrolle ausgerüstet sind und die Veränderung am Auge auch für den Laien visualisieren. Aber es reicht nicht aus, nur die Fehlsichtigkeit zu beurteilen. „Neben Refraktion, Augenlänge und genetischer Prädisposition spielen besonders Umwelteinflüsse und individuelle Verhaltensweisen von Kindern und Erwachsenen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Kurzsichtigkeit,“ weiß Optometrist Philipp Hessler, M.Sc., Ernst-Abbe-Hochschule Jena, der im fränkischen Klingenberg ein eigenes Optik-Fachgeschäft betreibt.

Erfolgreiches Myopie-Management erfordert Zusammenarbeit

Das frühe und langfristige Management von Myopie-Patienten ist einer der wichtigsten Erfolgsgaranten. Hier müssen alle Beteiligten, fach- und berufsübergreifend zusammenarbeiten. Nicht nur der Augenoptiker und die Eltern, sondern auch die Augenärzte und Kinderärzte. Nur wenn alle zusammen gemeinsam Risikopatienten früh erkennen und engmaschig und langfristig begleiten, gelingen auch beeindruckende Ergebnisse.– Dr. Amir Parasta von der medizinische Kollaborationsplattform epitop medical –

Ein wichtiger Aspekt sei dabei die vereinfachte Zusammenarbeit, beispielsweise durch Software. „Künstliche Intelligenz (KI) hilft bei der großen Datenmenge, die bei so vielen Akteuren anfällt, Prozesse zu optimieren und neue Wege für alle Beteiligten zu eröffnen“, erklärt Dr. Parasta und kündigt weitere, spannende Entwicklungen an, die auch von 13. bis 15. Mai auf dem epitop-Stand auf der opti Thema sein werden. Unterstützt in seiner interdisziplinären Vision wird er durch Dr. med. H. Kaymak: „Augenoptiker, Optometristen und Augenarzt müssen die gleiche Sprache sprechen und das gleiche Ziel verfolgen. Wenn jeder nur seiner eigenen Linie folgt, geht das zu Lasten der jungen Patienten. Aus Sicht des Augenarztes ist es wichtig, dass die optische Versorgung vom Optiker/Optometristen gewährleistet wird. Wir z.B. verweisen unsere Patienten zur Anpassung von Orthokeratologie- oder formstabilen Linsen an ein Kontaktlinsen-Institut, bekommen aber andersherum auch Patienten bzw. Kunden mit dem Wunsch nach Kontaktlinsen geschickt, damit erst einmal die Augengesundheit gecheckt wird. So können die Stärken beider Berufszweige optimal ausgenutzt und miteinander ergänzt werden.“ Gerade in Regionen, in den es an Augenärzten mangelt, können Augenoptik- und Optometrie-Betriebe zusammen mit Ophthalmologen und ausgestattet mit den passenden Geräten die Grundversorgung rund um das Auge nachhaltig fördern.

Wie sehr das Myopie-Management die Branche beschäftigt, zeigt auch der Zuspruch, den die Webinar-Reihe opti-Forum-XT zum Thema bekommt. Auf die erfolgreiche Ausgabe im Herbst letzten Jahres folgt am Donnerstag, 28. April 2022, um 19.30 Uhr eine weitere Chance auf kostenfreien Wissenstransfer. „Droht die Kontaktlinse ihre Vormachtstellung bei der Myopie-Kontrolle zu verlieren? Taugt das Myopie-Management in naher Zukunft für die Masse als Dienstleistungsangebot?“ Diese und andere Fragen werden dann mit Experten diskutiert. Und natürlich ist Kurzsichtigkeit zwei Wochen später, auf der Sonderedition der opti, einer der Schwerpunkte, wie auch ein Blick in das Ausstellerverzeichnis der Messe zeigt.

Mit Sicherheit in vier Hallen

Tickets für die opti 2022, die von 13. bis 15. Mai auf dem Messegelände München stattfindet, gibt es nur online unter www.opti.de/tickets/. Neben dem kontaktlosen Zutritt sorgen eine großzügige Aufplanung, erhöhter, regelmäßiger Luftaustausch und intensive Reinigungsintervalle für Sicherheit und Wohlfühlen in den vier Messehallen. Es wird das Tragen einer Maske empfohlen

Text: Opti