Ganz easy eine Jobsuche anlegen: Auf Placing-You können sich Arbeitnehmer kostenlos registrieren, egal ob für Optik oder Hörakustik. Foto: Placing-you

„Wie finde ich gute Mitarbeiter?“ – diese Frage ist angesichts von eklatantem Fachkräftemangel in Optik und Hörakustik für viele Unternehmer brennend. Headhunting floriert und führt nicht immer zum gewünschten Ziel. Daniel Maron hat deshalb mit Placing-You eine Vermittlungsplattform geschaffen, die allen Beteiligten weiterhilft – transparent, anonym und ohne versteckte Kosten. OPTIC+VISION sprach mit dem jungen Hörakustiker über seine Ideen für die Zukunft der Branche.

OPTIC+VISION: Wie kam es zur Gründung von „Placing-You“?

Daniel Maron: Als angehender Hörakustiker-Meister erhielt ich während der Arbeit im Fachgeschäft mehrere Anrufe von Headhuntern. „Wir haben ein Angebot für Sie. Ein Arbeitgeber möchte genau Sie einstellen.“ „Wer ist dieser Interessent?“, fragte ich. „Und woher haben Sie überhaupt meine Daten?“ Darauf gab man keine Antwort. Stattdessen sollte ich mal einen Lebenslauf und eine Bewerbung rüberschicken. Nanu? Was für ein dubioses Vorgehen! Ich habe mich nicht darauf eingelassen und danach erfahren, dass solche Headhunter zwischen 20 bis 30 Prozent eines Jahresbruttogehaltes bei erfolgreicher Vermittlung kassieren. Das sind bei einem Meistergehalt um die 15.000 Euro.

Moralisch fand ich dieses Vorgehen äußert unschön – sowohl mir als auch meinem Arbeitgeber gegenüber. Ich fühlte mich wie eine Kuh, die verhökert werden sollte. Das brachte mich auf die Idee, das Ganze transparenter und seriöser für alle Beteiligten zu gestalten.

Wie sieht Ihre Dienstleistung aus?

Bei Placing-You klären wir von vorneherein Faktoren, die in Vorstellungsgesprächen entscheiden: Gehalt, Arbeitszeiten, Urlaub, und weitere Faktoren, wie Fortbildungen, Samstagsarbeit, Werte und Arbeitsweisen der Arbeitgeber. Unternehmen können bei uns angeben, was für Mitarbeiter/-innen sie suchen und was sie diesen bieten können. Arbeitnehmer können anonym Wünsche kommunizieren. Und wenn beide zueinanderpassen, lernen sie sich kostenlos und unverbindlich kennen. Erst, wenn ein Augenoptiker oder Hörakustiker durch unsere Vermittlung eingestellt wurde, wird eine Provision an uns fällig – zum transparenten Festpreis.

Was ist die Philosophie dahinter?

Ich möchte, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer glücklich miteinander arbeiten – und dass niemand dubiose Anrufe bekommt! Ich möchte die Negativ-Spirale durchbrechen, die durch das Headhunting entsteht. Denn man muss sich mal vor Augen halten: Angenommen ein Betrieb zahlt einem Meister maximal 50.000 Euro, dann wird der Headhunter dieses Maximum an einen potentiellen Kandidaten verraten, um ihn zu ködern. Der Arbeitgeber wird doppelt ausgetrickst, denn am Ende zahlt er vielleicht ein höheres Gehalt, als er müsste, um den Kandidaten zu bekommen – und obendrauf noch die dicke Headhunter-Provision. Ich sage: Lasst diese Abzocke sein und lieber die Optiker und Hörakustiker ein paar Euro mehr verdienen. Schließlich sind es die Mitarbeiter, die an der Basis produktive Leistungen erbringen.

Der Dialog mit Arbeitnehmer und Arbeitgeber läuft über Placing-You einfach und komfortabel. Foto: Placing-you

Was unterscheidet Placing-You von anderen Job-Portalen?

Wir haben eine eigene Rubrik „Partnervorstellung“ wo sich Unternehmen kostenlos mit Bildern, Videos und Texten präsentieren können; wo man wertvolle Insights geben, Links zu Websites und Socialmedia-Profilen unterbringen und Benefits wie Fahrtkostenzuschüsse und Fortbildungsmöglichkeiten auflisten kann. Für Arbeitnehmer sind das hochrelevante Infos. Sie können sich bei uns kostenlos und anonym registrieren lassen – und bekommen von uns am Ende Geld geschenkt, falls wir sie erfolgreich vermitteln. 100 Euro als Dankeschön nach Ende der Probezeit.

Wie lange dauert ein Vermittlungsprozess?

Sehr unterschiedlich – im Regelfall 4 bis 6 Wochen. Unser allererster Kandidat fand jedoch in nur 3 Tagen seinen neuen Job.

Wie wichtig ist heute persönliche Sinnstiftung im Job?

Sehr wichtig. Wir haben schon Leute erlebt, die Top-Gehälter ablehnten, weil sie fanden, dass ein Unternehmen nicht zu ihnen und ihren Werten passt. Seit unserer Gründung 2017 bis heute sind diese Fälle häufiger geworden. Das ist ein Trend, der durch die junge Generation Z ausgelöst wird, die jetzt auf den Arbeitsmarkt tritt. Diese Generation ist gewöhnt, alles zu bekommen, was sie möchte, ihre Werte aktiv zu vertreten und auch einzufordern. Sie fragen: Wie geht ein Unternehmen mit Menschen, Tieren und Kunden um? Was tut es für den Klimaschutz? Dadurch müssen sich die Arbeitgeber verbessern und es entsteht insgesamt eine positive Veränderungsdynamik. Auch wir haben im Team viele Leute, die auf Klimaschutz und Tierschutz achten. Dass unsere Verpackungen alle recycelbar sind versteht sich von selbst – und mit weiteren guten Taten tragen wir bewusst zur Verbesserung der Welt bei.

Wir betreiben zum Beispiel eine kostenlose Leihbücherei, die man unter https://placing-you.de/leihbuecherei finden kann. Sie enthält Fachliteratur aus Optik und Hörakustik für Azubis, Meisteranwärter und auch einfach zum Auffrischen und Vertiefen. Weil wir wissen, dass für viele Azubis die Anschaffung dieser teuren Bücher finanziell eine große Belastung ist. Deshalb kann man bei uns die Bücher unbürokratisch ausleihen – denn wir möchten ein Knotenpunkt sein und wirklich etwas für unsere Branche und ihren Nachwuchs tun. Und wir glauben, dass man mit solchem sozialen Engagement, symbolisch gesprochen, „beim Christkind Punkte sammelt“. Außerdem haben wir einen Blog, der Fragen junger Arbeitnehmer beantwortet und die große Facebook-Community „Wir sind Optiker“, wo man sich vernetzen und gegenseitig unterstützen kann. Wenn zum Beispiel ein Kunde in den Laden kommt mit dem Foto seiner Traumbrille, dann kennt in unserer Facebook-Gruppe bestimmt jemand den Modellnamen und das Label. Einfach mal ausprobieren!

Angenommen, ich eröffne ein Bewerber-Profil auf Placing-You. Kann ich dann auch Unternehmen ausschließen, für die ich nicht arbeiten möchte?

Ja, das geht – ein Klick und du bekommst niemals Angebote von Unternehmen, die du nicht magst. Manche schließen Filialisten aus, andere ihren Ex-Arbeitgeber und mancher meidet Betriebe, von denen ein Freund abrät. Allerdings sind die Ressentiments nicht so stark, wie ich anfangs dachte. Eine Bekannte von mir wollte nie bei einer Kette arbeiten und erlebte ausgerechnet, dass ihr Arbeitgeber aufgekauft wurde. Sie blieb trotz ihrer ersten Skepsis und machte dann Karriere von der Gesellin zur Gebietsleiterin. Ketten bieten einfach Potentiale. Und seien wir ehrlich: Umsatzdruck und Erfolgsparameter gibt es bei Ketten wie bei Tradis.

Hörakustiker Daniel Maron hat Placing-You gegründet. Foto: Placing-You

Wie erlebt Ihr als Agentur die allgemeine Marktkonzentration?

Ich sehe beide Seiten der Medaille. Großunternehmen müssen in der heutigen Zeit wachsen, das ist unumgänglich. Dadurch geht jedoch Vielfältigkeit verloren und das ist schade. Augenoptiker in dünner besiedelten Gebieten werden eines Tages keine Wahl mehr haben, wo sie arbeiten möchten. Wir bekommen mit, dass Leute lange Arbeitswege auf sich nehmen und unfreiwillig bei Ketten arbeiten. Und wenn mittelgroße Unternehmen aufgekauft werden, erleben wir immer einen Anstieg an Registrierungen von deren Mitarbeitern bei uns. Leute, die wir gerade erst dorthin vermittelt hatten, kündigen dann und benachrichtigen uns.

Wie sieht es mit dem Fachkräftemangel aus? Ein motivierter Optiker kann sich doch heute zwischen München und Ostfriesland aussuchen, wo er arbeiten will?

Das ist tatsächlich so. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie krass der Fachkräftemangel ist und welche Blüten er treibt. Arbeitgeber waren vergangenes Jahr beim ersten Lockdown zwei Monate lang zurückhaltender mit dem Headhunting. An den Forderungen und Wünschen der Arbeitnehmer änderte sich jedoch nichts. Und mittlerweile läuft der Kampf um die Fachkräfte wieder vollständig auf Vor-Corona-Niveau, obwohl wir noch mitten in der Krise sind! Das hat mich schon schockiert. Der Druck, gute Leute zu finden, ist immens hoch.

Allerdings geht es beim Fachkräftemangel ja nicht nur um unbesetzte Stellen, sondern auch um ein mangelndes Kompetenzniveau der Arbeitnehmer. Unternehmer müssen Leute einstellen, die sie eigentlich gar nicht haben möchten – aber sie haben keine Alternative. Befeuert wird dies durch die Meisterpflicht, die auf der einen Seite den Standard sichert – aber eben auch ausbremst. Wäre es nicht eine Idee, das Ausbildungs- und Lernkonzept in der Augenoptik und Hörakustik so zu reformieren, dass man alle besser ausbildet und die Meisterpflicht als solche nicht mehr braucht? Solange die Ausbildung wie bisher verläuft, werden gute Leute umkämpft sein. Andersherum gesagt: Aktuell ist es noch einfach, sich als Arbeitgeber positiv abzuheben.

Wir erleben das selbst mit Placing-You: Obwohl bei uns noch viel Luft nach oben ist, fallen wir positiv auf – weil andere Jobvermittlungs-Angebote bisher rudimentär waren. Klar, wir sind ein nötiges Übel für die Arbeitgeber, die am liebsten ohne uns auskommen würden. Aber wir versuchen auf diesem hartumkämpften Markt, ein ehrliches und kleinstmögliches Übel zu sein. Wenn ein Unternehmen alles tut, um seine bisherigen Mitarbeiter zu halten und sich ausdenkt, wie es neue Mitarbeiter begeistern kann, dann ist das ein guter Anfang für alle Beteiligten.

Ketzerische Frage: Wenn KI noch schlauer wird, werden dann nicht Jobs von Menschen ersetzt und die Optikerzahl stimmt wieder? Die digitale Transformation wird ganz sicher Arbeitsplätze verändern und Aufgabenbereiche verschieben, aber die Jobs nicht völlig abschaffen. Ich rechne damit, dass sich der Wandel der Augenoptik erst ab 2030 in vollem Umfang manifestiert. Erst muss noch eine Generation Optiker in Rente, damit die Nachfolger solche Veränderungen implementieren können. KI wird sehr gute Diagnosen stellen und Big Data ganz sicher viele Ärzte überflüssig machen, aber die zwischenmenschliche Ebene, wie zum Beispiel die Krankenschwestern, werden unersetzlich bleiben. Für Optik und Hörakustik wird das spannend, denn sie brauchen das Zwischenmenschliche. Durch KI wird vermutlich Druck entstehen, die Optiker und Hörakustiker noch besser auszubilden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung bei den Hybriden aus Optik und Hörakustik ein?

Hybridmodelle senken Kosten und bringen viele Vorteile für Kunden, Unternehmer und Arbeitnehmer. Ich sehe darin eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Wer seit Jahren bei dir Brillenkunde ist, wird dir auch beim Hörgerät vertrauen, wenn er in das entsprechende Alter kommt … Nicht nur die großen Player, die mittlerweile zweigleisig fahren haben den Trend weiterverstärkt. Dass es immer mehr Doppelmeister und Doppelgesellen gibt, liegt auch daran, dass sich Leute Abwechslung bei der Arbeit wünschen. Für sie ist es interessanter, sie verdienen mehr und der Unternehmer braucht nicht für jedes Fachgebiet einen eigenen Angestellten.

Wie wird sich Placing-You weiterentwickeln?

Aktuell arbeiten wir an einem Update unserer Software und unseres gesamten Auftritts. Er wird spritziger und zeitgemäßer werden. Seid gespannt!

Daniel Maron hat die Personalvermittlungsplattform Placing-You noch während seiner Tätigkeit in der Hörakustik gegründet und sich damit selbstständig gemacht. Zuerst ein Angebot exklusiv für Hörakustiker, holte er sehr schnell die Augenoptiker mit ins Boot, um die vielen hybrid arbeitenden großen und kleinen Unternehmen bedienen zu können. Seit dem 1. Mai 2017 hat Placing-You rund 500 Arbeitnehmer vermittelt unter dem Motto: „Einfach. Glücklich. Sein.“