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Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2021 hat die DOG in einer Pressemitteilung auf Zusammenhänge zwischen dem Rauchen und dem trockenen Auge hingewiesen.

Kratzen, Brennen, gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen oder Probleme beim Arbeiten am Bildschirm: Das Krankheitsbild des Trockenen Auges kann sich durch eine Vielzahl von belastenden Symptomen äußern. Eine neue Studie belegt nun, dass Raucher deutlich häufiger am trockenen Auge erkranken als Nichtraucher (1). Auch Augenerkrankungen wie Grüner oder Grauer Star werden nachweislich durch Rauchen begünstigt. Anlässlich des Weltnichtrauchertags, der am 31. Mai 2021 stattfindet, rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) deshalb zum Rauchstopp. Denn die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen der Augen, die langfristig und unbehandelt zur Erblindung führen können, nimmt deutlich ab, wenn man sich den Tabakkonsum abgewöhnt.

Das Trockene Auge stellt ein komplexes Krankheitsbild dar, das sich durch eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche bemerkbar macht. Hervorgerufen wird diese Störung entweder durch eine Verminderung der Tränenmenge oder durch eine verstärkte Verdunstung des Tränenfilms. „Beide Erscheinungsformen führen zu einer Entzündungsreaktion der Augenoberfläche, die mit einem hohen Leidensdruck der betroffenen Patienten verbunden ist“, erklärt Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Generalsekretär der DOG. Studien zufolge sind in Deutschland zwischen acht und neunzehn Prozent der Bevölkerung betroffen. „Das Trockene Auge ist somit eine Volkskrankheit“, stellt Cursiefen fest.

Eine groß angelegte multizentrische Studie der Dry Eye Assessment and Management Study Research Group weist nun einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Krankheitsbild des Trockenen Auges und regelmäßigem Zigarettenkonsum nach (1). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dafür insgesamt 535 Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen des Trockenen Auges. In regelmäßigen Abständen fanden bei den Patienten Augenoberflächenuntersuchungen sowie individuelle Symptombewertungen statt. Zudem ermittelten die Forscher potenzielle Risikofaktoren, die im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild stehen könnten. Neben Vorerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Bluthochdruck zählte auch regelmäßiges Rauchen dazu.

In einem komplexen Analyseverfahren setzte die Studie Risikofaktoren und Schweregrad der Erkrankung in Relation und kommt dabei zu einem eindeutigen Ergebnis: Regelmäßiger Zigarettenkonsum erhöht das Risiko, schwer am Trockenen Auge zu erkranken. „Der Tränenfilm der Augen schützt die Augenoberfläche vor äußeren Einflüssen“, erläutert DOG-Experte Cursiefen. „Rauch kann diesen Schutzschild jedoch zerstören und das Auge dadurch anfälliger für Verletzungen machen.“ Insbesondere Büroarbeitern, die durch ständige Bildschirmarbeit, trockene Heizungsluft und Klimaanlagen ohnehin der Gefahr des Trockenen Auges ausgesetzt sind, rät der Direktor des Zentrums für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln daher vom Rauchen ab.

Rauchen befördert aber keineswegs nur die Entstehung des Trockenen Auges. Einer aktuellen Übersichtsarbeit zufolge erhöht Rauchen das Risiko, an einem Grünen Star zu erkranken (2); der Grüne Star ist die zweithäufigste Ursache für den Verlust des Sehvermögens in Deutschland. Rauchen erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, an einer Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) oder einer Katarakt, auch als Grauer Star bekannt, zu erkranken. Bei der AMD liegt sie einer US-Studie zufolge bei aktiven Rauchern um 83 Prozent über der von Nichtrauchern (3), in Bezug auf den Grauen Star steigt sie durch Zigarettenrauchen nach aktuellen Forschungsergebnissen um etwa 30 Prozent (4). Auch Morbus Basedow – hervortretende Augen als Folge einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse – verläuft bei Rauchern häufig stärker (5).

„Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten ein weiterer Ansporn für Raucher sein, eine Entwöhnung zu beginnen“, resümiert Cursiefen. Denn die gute Nachricht lautet: Ein Rauchstopp senkt das Risiko für gefährliche Augenerkrankungen deutlich. Auch die Krankenkassen haben dieses Potenzial erkannt und unterstützen Patienten beim Nikotinverzicht. „Raucher sollten sich bei ihrer Krankenkasse über Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung und entsprechende Hilfeleistungen informieren“, rät der DOG-Experte.

Quellen und Studien:

(1) Yu K, Bunya V, Maguire M, Asbell P, Ying GS; Dry Eye Assessment and Management Study Research Group. Systemic Conditions Associated with Severity of Dry Eye Signs and Symptoms in the Dry Eye Assessment and Management Study. Ophthalmology. 2021 Mar 27:S0161-6420(21)00235-9. doi: 10.1016/j.ophtha.2021.03.030. Epub ahead of print. PMID: 33785415.

(2) Rüfer F. Sekundäre Neuroprotektion beim Glaukom durch Lebensstiländerungen. Klin Monatsbl Augenheilkd. 237, 158–162 (2020).

(3) Klein R. et al. The Prevalence of Age-Related Macular Degeneration and Associated Risk Factors. Arch Ophthamol. 128, 750-758 (2010).

(4) Hae Jeong L. et al. Association between cataract and cotinine-verified smoking status in 11 435 Korean adults using Korea National Health and Nutrition Examination Survey data from 2008 to 2016. J Cataract Refract Surg. 46, 45-54 (2020).

(5) Bartalena L, Piantanida E, Gallo D, Lai A, Tanda ML. Epidemiology, Natural History, Risk Factors, and Prevention of Graves’ Orbitopathy. Front Endocrinol (Lausanne). 2020;11:615993. Published 2020 Nov 30. doi:10.3389/fendo.2020.615993.

TEXT von DOG.