Prof. Exner, Direktor am Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn, half Fielmann, Hygiene-Standards für die Augenoptik zu entwickeln. Foto: Fielmann

Am 14. Oktober hat das 49. Kolloquium der Fielmann Akademie Schloss Plön stattgefunden. Erstmals gab es das Kolloquium im Online-Format. Sowohl der Grund für das neue Format, als  auch das Thema „Hygiene in der Augenoptik“ lassen sich auf SARS-CoV-2 zurückführen. „Auf diese Weise beeinflusst das Corona-Virus unsere heutige Veranstaltung gleich zwei Mal“, begrüßte Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Grein, Leiter Wissenschaft der Fielmann Akademie Schloss Plön, die virtuellen Gäste.

Prof. Exner, Direktor am Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn, hat im Frühjahr 2020 maßgeblich dazu beigetragen, Standards für Schutzmaßnahmen in der augenoptischen Branche und darüber hinaus zu etablieren.

Risiko-Schutz-Abwägung

Welche Mindestmaßnahmen ergriffen werden müssen, um die Verbreitung des  Corona-Virus zu verhindern, sei in den Landesverordnungen festgehalten. Spezielle Hygienemaßnahmen für die augenoptische Branche liefern das Gutachten von Prof. Exner sowie die Empfehlungen des Fachwissenschaftlichen Ausschusses des ZVA. Zuletzt habe auch die VDCO eine Empfehlung zur Anpassung von Kontaktlinsen in Corona-Zeiten herausgegeben, zeigte Dr. Heiko Pult Optometry & Vision Research, Weinheim, Prof. hon. vis. Cardiff University und Geschäftsführer Horst Riede GmbH, Weinheim, auf. „Die große Herausforderung besteht darin, das richtige Maß an erforderlichen Schutzmaßnahmen herauszufinden.“ Pult erläuterte dies anschaulich am Beispiel des Radfahrens. Für eine gemütliche Radtour sei es in der Regel ausreichend, einen Helm und festes Schuhwerk zum Schutz vor Verletzungen zu tragen. Das Aufrüsten um Knie- und Ellenbogenschützer, Protektorenjacke und Schutzbrille mache nur dann Sinn, wenn das Verletzungsrisiko steige, wie beispielsweise beim Downhill-Mountain-Biking. Übertragen auf Corona bedeute dies, dass steigende Infektionszahlen mit einer Verschärfung der Maßnahmen einhergehen müssen.

Hygiene im augenoptischen Alltag

Die meisten augenoptischen Fachgeschäfte haben mit einzelnen Einschränkungen inzwischen wieder in eine neue Normalität gefunden. So verzichten viele Augenoptiker derzeit nach wie vor auf Hausbesuche. Die massivste Einschränkung gebe es allerdings im Bereich der Kontaktlinsenanpassungen. Eine Blitzumfrage des ZVA im September habe gezeigt, dass nach wie vor etwa 50 Prozent der Betriebe diese Leistung nicht anbieten.

Dr. Heiko Pult Optometry & Vision Research, Weinheim, Prof. hon. vis. Cardiff University und Geschäftsführer Horst Riede GmbH, Weinheim.

Eine Umfrage zur Umsetzung der empfohlenen Schutzmaßnahmen im Geschäftsalltag habe ergeben, dass die meisten Augenoptiker während des Kundenkontaktes einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen und dies auch von ihren Kunden erbitten. FFP2 oder FFP3-Masken kommen nur selten zum Einsatz, beispielsweise während der Kontaktlinsenanpassung. Breite Akzeptanz erfahre zudem die Handhygiene. Händewaschen mit Seife oder Handdesinfektion finden sehr häufig während der unterschiedlichsten Betriebsabläufe statt. Eher selten werde auf die Anwendung von Handschuhen zurückgegriffen. Überraschend für Pult sei die Erkenntnis gewesen, dass etwa 55 Prozent der Augenoptiker vor der Beratung ihrer Kunden keine Gesundheitssymptome abfragen. Neun Prozent machen eine entsprechende Anamnese, führen bei positivem Ergebnis allerdings dennoch die Beratung durch. „Das würde ich mich nicht trauen.“ Ein ähnlich erstaunliches Ergebnis lieferte die Frage nach der Flächendesinfektion. So gaben laut Pult etwa 83 Prozent der Befragten an, Stirn- und Kinnstützen sowie Messbrillen nach dem Gebrauch zu desinfizieren oder mit einem seifenhaltigem Reiniger zu säubern. Das bedeute gleichzeitig, dass 17 Prozent auf die Reinigung verzichten. „Das erschüttert mich“, denn unabhängig von Corona gehöre die Reinigung der genannten Flächen zur Basishygiene in der Augenoptik.

Wirtschaftliche Aspekte der Corona Pandemie in der Augenoptik

Trotz der Einstufung der Augenoptik als systemrelevant, habe es im März und April dieses Jahres  kaum Umsätze in der Branche gegeben. Diese Umsatzeinbußen konnten während des Sommers eingeholt werden. Im Vergleich zum Vorjahr sei in der Augenoptik lediglich ein Umsatzrückgang von 7,4 Prozent zu verzeichnen gewesen. Dies zeige, dass die Branche bis jetzt insgesamt gut durch die Krise gekommen sei. Dennoch seien diese Daten keine Beruhigung. Die vielen Meldungen von Insolvenzen kleiner Unternehmen beunruhige viele Menschen und rufe existenzielle Ängste hervor. Insgesamt zeige sich innerhalb der Bevölkerung eine größere Sorge vor wirtschaftlichen Verlusten, als vor gesundheitlichen, was wiederum die Kaufkraft zurückhalte.

Trotz aller Einschränkungen und Veränderungen sehe Pult auch positive Aspekte der Pandemie. Die intensive Auseinandersetzung mit den alltäglichen Prozessen biete die Chance Arbeitsabläufe zu systematisieren und zu routinieren. Dies führe zu einem Zeitgewinn, der für andere Kunden genutzt werden könne. Eine gelebte Hygiene könne zum Herausstellungsmerkmal werden, wenn es vom gesamten Team getragen werde. Dies würden Kunden zu schätzen wissen, auch nach der Pandemie.

Wirksamkeit der AHA-Regeln

Diese Erkenntnisse und die Beobachtung der Personengruppen, die mit infizierten Menschen, zum Beispiel in Krankenhäusern, umgehen müssen, zeigen, dass die aktuellen Maßnahmen, bekannt unter dem Namen AHA-Regeln, geeignet seien, um eine gute Sicherheit zu erzielen. Alleine das erste „A“, Abstand halten, sei hocheffektiv, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Das Umsetzen der „H“ygienemaßnahmen, wie häufiges Händewaschen, Einhalten der Hust- oder Niesetikette helfen, die Viruslast zu reduzieren. Das Tragen von „A“lltagsmasken bezeichnete Exner als ebenfalls als hocheffizient, auch wenn es hinsichtlich der Masken durchaus qualitative Unterschiede gebe. Das Wichtigste sei in jedem Fall ein guter, eng anliegender Sitz einer Maske, egal welcher Art.

Fazit

Beide Referenten betonten, dass das Pandemie-Geschehen uns sicher noch eine Weile begleiten werde, Deutschland und die Augenoptik aktuell jedoch gut aufgestellt seien. Im Anschluss an die Vorträge, beantworteten die Referenten wie gewohnt, die Fragen aus dem Auditorium. Diese konnten während der Vorträge über eine Chat-Funktion eingereicht werden.

Das nächste Kolloquium der Fielmann Akademie ist bereits in Planung und wird wieder Online stattfinden.

Text von Fielmann Akademie. Bearbeitung von Rosemarie Frühauf