Joseph May von Spectaris, ZVA-Präsident ThomasTruckenbrod und Dieter Dohr, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Gesellschaft für Handwerksmessen GHM auf der opti 2020. Foto: opti

Ein starkes optimistisches Signal sandte am 20. Mai die Pressekonferenz zur opti 2021 in Stuttgart. Der Standortwechsel der Messe war Nebenthema angesichts der Entwicklung rund um die COVID-19-Pandemie, die das Interesse von 60 Fachjournalisten aus 15 Ländern auf sich zog: Die größte Pressekonferenz in der Geschichte der opti schwor die Branche zuversichtlich auf den kommenden Januar ein: Die opti 2021 werde das erste große Wiedersehen nach der Krise – und deshalb international umso bedeutender sein.

Sie wurden mit Fragen förmlich bombardiert – und antworteten mit Zuversicht: Dieter Dohr, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Gesellschaft für Handwerksmessen GHM und Bettina Reiter, die Projektleiterin der opti, hatten zur Pressekonferenz geladen. Es sprachen u.a. Silhouette-Chef Josef May als Vorsitzender des Verbands SPECTARIS und ZVA-Präsident ThomasTruckenbrod.

Natürlich stehe die Messebranche angesichts der Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen, so Dieter Dohr. Die opti sei jedoch als Messe von der Struktur her nicht mit anderen Großveranstaltungen, wie Konzerten oder Volksfesten, vergleichbar, beruhigte er: „Wir können Regeln beachten und Bedürfnisse wie Hygiene und Abstandsregelungen berücksichtigen. Vielleicht wird es vorgeschriebene Laufwege geben.“ Das Ticketing-System der opti  werde es ermöglichen, Kontakte nachzuvollziehen, so Dohr. „Eine Absage würde die opti zwar verkraften, aber die Branche nicht. Denn es baut sich gerade riesiger Nachholbedarf auf der sich Anfang Januar, wie wir hoffen, in positiver Weise entladen wird.“

Dohr weiter: „Derzeit reden alle von der neuen Normalität. Wir möchten zu dieser Normalität beitragen und einen Schub für die gesamte Branche geben. Das Wirtschaftsleben braucht solche Impulse, um wieder stärker ins Laufen zu kommen. In Stuttgart wollen wir eine Bühne dafür aufbauen, die funktioniert.“ Dohr wies zudem darauf hin, dass die opti auf einem sehr guten Fundament stehe, weil der Markt für Brille, Kontaktlinse und technische Geräte sehr stabil sei.

DACH-Region seit Jahren im Aufwärts-Trend

Ähnlich optimistisch äußerte sich ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod: „Die DACH Region bietet weltweit eine sehr gute Sehversorgung und nimmt eine sehr gehobene Position in der Gesundheitsprävention ein. (…) Diese positiven Prognosen bleiben auch erhalten nach der Krise.“ Für ihn war es ein besonders positives Signal, dass die Augenoptiker als systemrelevant eingestuft wurden.

Truckenbrod verwies auf aktuelle Zahlen, wonach die Mitarbeiteranzahl der Branche seit Jahren stabil bleibt, während die der Brillenträger ständig ansteigt. Ende 2019 trugen alleine in Deutschland laut SPECTARIS 41,1 Millionen Menschen eine Brille und 3,3 Millionen waren Kontaktlinsenträger. Weder der Onlinehandel nimmt dabei für die stationären Augenoptiker besorgniserregend zu, noch nimmt die immens hohe Kundenzufriedenheit der Verbraucher mit den Augenoptikern ab.

Zudem war 2019 das erfolgreichste Geschäftsjahr des letzten Jahrzehnts für die augenoptische Industrie in Deutschland mit einem Gesamtumsatz von 4,7 Milliarden Euro, der sich zum Vorjahr um 5,4 Prozent gesteigert hatte – die Fortsetzung eines Wachstumstrends seit 2011. Zu beobachten bleibt, wie sich die Corona-Krise darauf auswirkt.

Neustart nach Lockdown

Truckenbrod meinte, er sehe positiv in die Zukunft, da die Euronet-Zahlen eine sehr positive Entwicklung seit der Aufhebung des Lockdowns zeigen. Und er verwies auf Beispiele aus seinem Geschäftsumfeld, wonach Kunden angesichts von ausfallendem Urlaub oder Familienfeiern nun gezielt in den Laden kommen, um in neue Brillen zu investieren.

Den deutlichen und schnellen Aufwärts-Trend nach dem Lockdown bestätigte auch Silhouette-CEO Josef May. Silhouette habe Mitte März Produktion und Vertrieb schnell heruntergefahren. „Seit 10 Tagen sehen wir ordentliche Verbesserung“, so May. Die Brille sei einfach ein Produkt, das gebraucht werde. „Wir gehen davon aus, dass wir spätestens nach den Sommerferien wieder auf dem Vorjahresniveau sein werden“, so May.

opti-Standort Stuttgart

Die opti 2021 werde wichtige Impulse geben, die Wirtschaft ankurbeln und den großen Erfolg der DACH-Region weiter fördern, zeigte sich die Projektleiterin der opti, Bettina Reiter, zuversichtlich:

Hallenplan der Stuttgarter opti 2021. Bild: opti

 „Die opti bedeutet Herzklopfen, Klarheit und Punktlandung. Sie ist für die Aussteller Pflicht und Kür gleichermaßen.“ Die Stuttgarter opti werde ähnlich der Münchner opti sehr gut strukturiert sein. Die Hallen befinden sich auf einer Achse und die Gesamtfläche sei ähnlich groß. Zudem werden die Hallen inhaltlich ähnlich aufgebaut sein, so dass sich Besucher leicht zurechtfinden, wobei in der sehr großen Halle 1 der Stuttgarter Messe Brillenglas und Zulieferer, Großhandel, Kontaktlinsen, opti Showcase und opti forum zusammengefasst werden.

„Wir sind mit Stuttgart im Herzen der DACH-Region“, so Reiter. Der Zielmarkt der opti erfahre durch den neuen Standort eine Öffnung nach Westen und werde sich tiefer in die Benelux-Länder erweitern und die Schweiz und Teile Österreichs stärker an die Stuttgarter opti anbinden. Zwar sei man derzeit wegen der Corona-Krise noch nicht auf demselben Niveau an Anmeldungen wie 2020 (wo die opti 605 Aussteller hatte), aber das Engagement der bisher Angemeldeten sei groß. Deshalb werde auch die opti 2021 mit einem starken Angebot an den Start gehen.

Ob Stuttgart dauerhafter opti-Standort werden könnte? Hierzu gebe es Überlegungen, aber man wolle sich derzeit noch nicht äußern, so Reiter. Ähnlich antwortete Dieter Dohr auf die Frage, ob es Angebote für existentiell bedrohte Aussteller geben werde: Hierzu seien die Überlegungen noch nicht abgeschlossen, solche Angebote seien eine Frage der Machbarkeit und der Fairness allen anderen gegenüber.

Text von Rosemarie Frühauf