Mario Werndl, Vorstand des Hörakustiker-Verbunds Hörex und Geschäftsführer von Optik Werndl. Foto: Werndl Optik

Wie führt man das Geschäft erfolgreich durch die Krise? Wie meistert man Versorgungsauftrag und finanzielle Engpässe? OPTIC+VISION sprach darüber mit Mario Werndl, dem Vorstand des Hörakustiker-Verbands Hörex und Geschäftsführer von Optik Werndl in Köthen, Sachsen-Anhalt.

Was bedeutet die Corona-Krise für Sie?

Aktuell gibt es sehr viel bürokratischen Aufwand. Als Vorstand der Hörex erarbeite ich Strategien, damit die Geschäfte unserer Mitglieder überleben – und natürlich nutze ich diese auch für meine eigenen Geschäfte.

Welche Möglichkeiten gibt es derzeit?

Zunächst muss jeder Betrieb entscheiden, wie er sich in der aktuellen Situation verhält. Als Augenoptiker und Hörakustiker wurden wir als systemrelevante Betriebe eingestuft, was eine Art Ritterschlag für unser Gesundheitshandwerk ist. Gerade in Zeiten, wo man Abstand zu anderen Menschen halten soll, ist es wichtig, die Kommunikationsfähigkeit von schwerhörigen oder älteren Menschen sicherzustellen. Unsere Dienstleistung wird also gebraucht.  

Trotzdem muss jeder Betriebsinhaber entscheiden, ob er dem Versorgungsauftrag gerecht werden kann. Welche Vorsorgepflichten hat er gegenüber seinen Mitarbeitern? Mitunter gehört er selbst zur Risikogruppe. Derzeit wissen wir nicht, wie lange wir mit der aktuellen Situation über die Runden kommen müssen. Meine erste Empfehlung ist, die Regelung zum Kurzarbeitergeld in Anspruch zu nehmen. Die Bundesagentur für Arbeit erstattet die Sozialbeiträge und 60, bzw 67 Prozent des Nettolohns bei Familien mit Kindern. Für die Betriebe ist dies eine mögliche finanzielle Entlastung. Außerdem gibt es das Soforthilfe-Programm für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen. Zur Beantragung hat jedes Bundesland unterschiedliche Verfahren. Für kleine Betriebe in Optik und Hörakustik könnte dieses Hilfsprogramm relevant sein.

Wurde über einen Betrieb Ausübungsverbot verhängt, z.B. aus Gründen der Quarantäne, dann sieht das Seuchenschutzgesetz andere Geldmittel und Entschädigungen vor. Derzeit wissen wir von Einzelfällen, wo Ordnungsämter Betriebsschließungen angeordnet haben.

Wie schätzen Sie die kommende Zeit ein?

Die Regelungen greifen zunächst bis Ostern. Es wird der Tag kommen, wo wir wieder einen Teil Normalität einführen müssen, im Hinblick auf die Wirtschaft. Das heißt, wir werden trotz bleibendem Infektionsrisiko Geschäfte betreiben. Deshalb werden wir veränderte Hygiene-Standards dauerhaft aufrechterhalten und werden mit diesen Maßnahmen leben müssen. Im Umgang mit Kunden heißt das: Mundschutz und Handschuhe. Händewaschen beim Betreten oder Verlassen des Geschäftes wird Standard werden, bin ich mir sicher. Vielleicht werden wir generell wie in Asien mehr Mundschutz tragen.

Ein Tipp gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist: Da wir Kundendateien besitzen, kann jeder Betrieb Kontakte nachverfolgen. Das heißt, wir wissen notfalls, mit welchem Kunden ein Mitarbeiter Kontakt hatte. Ob man diese Kontaktliste auf Papier führt oder digital speichert, ist egal. Sie könnte als Maßnahme jetzt und in Zukunft helfen, Infektionsketten zu unterbrechen.

Wie schätzen Sie die Geschäftsentwicklung ein?

In den nächsten drei Monaten rechne ich mit einem sehr verhaltenen Geschäftsbetrieb. Marketing halte ich derzeit für keine gute Idee, denn wir sollten Kunden jetzt nicht mit Sonderangeboten auf die Straße locken. Aber es wird der Punkt kommen, wo wir die Geschäfte wieder ankurbeln. Dann sollten wir zusätzlich zu den Angeboten unsere Hygiene-Maßnahmen kommunizieren, um Vertrauen zu schaffen.

Das Interview führte Rosemarie Frühauf.