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Um zur Welt-Glaukom-Woche die Aufmerksamkeit auf die Krankheit zu lenken hat die Augenoptikerin Roshni Patel, Bsc (Hons) MCOptom und Professional Services Manager bei Lenstore, die am häufigsten verbreiteten Formen der Krankheit zusammengefasst. Es geht um Symptome und Maßnahmen, mit denen man den grünen Star so wie früh wie möglich erkennen kann. Mit dem Fachbeitrag möchte Lensstore die Aufmerksamkeit für Glaukom-Behandlung erhöhen. Durch regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen können Glaukome im Frühstadium entdeckt und behandelt werden. Bis zum Jahr 2040 sind interessante medizinische Fortschritte zu erwarten.

 1. Was ist ein Glaukom (grüner Star)?

Ein Glaukom ist eine weit verbreitete Augenerkrankung, bei der der Sehnerv, der das Auge mit dem Gehirn verbindet, beschädigt wird. Rund 3.54 % der Weltbevölkerung im Alter von 40 bis 80 Jahren sind davon betroffen. Dies entspricht im Jahr 2020 ungefähr 76 Millionen Menschen[1] und tritt in den meisten Fällen auf, wenn sich Flüssigkeit im Auge bildet, die den Augeninnendruck erhöht. Einige Menschen haben ein höheres Risiko, an grünem Star zu erkranken, wobei die über 60-jährigen besonders anfällig dafür sind. Die Symptome sind nicht immer sofort erkennbar, was regelmäßige Sehtests umso wichtiger macht. 

Drei Symptome weisen auf ein Glaukom hin:

Hoher Druck

Gesichtsfeldausfall

Veränderungen am Sehnerv

Glaukom ist nicht nur der dritthäufigste Grund für Erblindung weltweit[2], sondern führt bei 10% der Patienten, die erst spät mit der Behandlung beginnen, trotzdem zu Sehverlust.[3]

 Die zwei am häufigsten vertretenen Formen des grünen Stars sind das primäre Offenwinkelglaukom und das Engwinkelglaukom. Weitere Formen existieren, darunter z.B. das Normaldruckglaukom, das Pigmentglaukom und das angeborene Glaukom. Jede dieser Formen weist eigene Symptome auf und es ist wichtig, diese gut zu beobachten und gewappnet zu sein. Roshni stellt eine Fallstudie vor, bei der eine Pigmentdispersion vorlag, die zu Pigmentglaukom führen kann.

Pigmentdispersion

“Ich hatte einen Patienten, der für eine Routineuntersuchung für Kontaktlinsen da war. Als ich die Hornhaut auf Trockenheit überprüfte, bemerkte ich eine Pigmentablagerung auf der Rückseite der Hornhaut. Dies ist ein typisches Symptom bei Pigmentdispersion, die zu einem Pigmentglaukom führen kann und ein Anzeichen dafür ist, dass sich Pigment im Trabekelwerk angesammelt hat (und es verstopft). Das Trabekelwerk reguliert den Augeninnendruck, in dem es Flüssigkeit abführt (Kammerwasser).“

„Ich habe ihn an einen Spezialisten überwiesen, der mittels Gonioskopie überprüft hat, ob das Trabekelwerk davon betroffen war. Zum Glück war das nicht der Fall. Wir hatten den großen Vorteil, dass es so früh erkannt wurde. Er wird wahrscheinlich nie ein Pigmentglaukom bekommen, aber sobald auch nur das kleinste Anzeichen dafür bei seiner jährlichen Untersuchung beim Augenarzt vorliegt, könnte er sofort behandelt werden“, so Roshni Patel (Bsc (Hons) MCOptom, Professional Services Manager bei LenstoreUK)

2. Die Symptome eines Glaukoms

Die Symptome des grünen Stars fallen je nach Typ unterschiedlich aus, wobei einige bei allen Formen häufig auftreten. 

Beim Offenwinkelglaukom zeigen Patienten oft jahrelang keine Symptome. Das erste Anzeichen ist meistens eine Einschränkung des peripheren Sehens. 

Es gibt aber auch eine Form des Weitwinkelglaukoms, bei der der Augeninnendruck normal ist. Passenderweise wird es Normaldruckglaukom bezeichnet.  Da dieser Typ des Glaukoms untypische Symptome zeigt, ist es schwerer zu diagnostizieren. 

Das nachfolgende Beispiel zeigt, wie ein Glaukom bei einem routinemäßigen Sehtest entdeckt werden kann. Roshni Patel:

“Leider gibt es eine Form des Glaukoms, bei der der Augeninnendruck normale Werte zeigt – eine falsche Fährte beim grünen Star.

Ich hatte einen Patienten, der aus Afrika zu Besuch war und sich entschied, einen Sehtest durchzuführen, da seine Tochter einen hatte und er noch nie.

Er zeigte keine Symptome; der Augeninnendruck war normal. Seine Sehfähigkeit war okay. Erst als ich mir die Rückseite der Augen anschaute fiel mir auf, dass der Sehnerv verdächtig aussah. Er hatte in einem Auge eine kleine, feuer-förmige Blutung am Sehnerv. Die Gesichtsfeldmessung zeigte eine Einschränkung, die auf ein Glaukom in beiden Augen hindeutete.

Da es sich auf das periphere Sehen auswirkt, war es diesem Herrn gar nicht bewusst. Der Augenarzt, an den ich ihn überwies, bestätigte das. Leider lag dies schon lange Zeit vor und da er nie zuvor einen Sehtest hatte machen lassen, war es nicht entdeckt worden.“

 Beim akuten Glaukomanfall steigt der Augeninnendruck plötzlich an, was zu verschwommenem Sehen, regenbogenartigen Kreisen um helle Lichter, und noch viel schlimmer, zu starken Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Schmerzempfindlichkeit um die Augen herum führt. Es handelt sich dabei um einen medizinischen Notfall, der sofortiges Handeln erfordert, um die Erblindung zu vermeiden.

3. Wer gehört zur Risikogruppe des Glaukoms?

Da ein chronisches Glaukom das periphere Sehen betrifft, lange bevor andere Symptome auftreten, sollten diejenigen, die zur Risikogruppe gehören, sich regelmäßigen Sehtests unterziehen: 

·         Über 60-jährige

·         Personen mit Glaukomfällen in der Familie

·         Diabetiker und Patienten mit Anämie oder hohem Blutdruck

·         Menschen mit geringer Hornhautdicke

·         hohem Augeninnendruck

·         Menschen mit extremer Weit- (Engwinkelglaukom) oder Kurzsichtigkeit (Offenwinkelglaukom)

·         Menschen, die Verletzungen am Auge hatten

·         Menschen, die lange Zeit Corticosteroide eingenommen haben, eingeschlossen Augentropfen

·         Menschen mit asiatischer, hispanischer, afrikanischer oder afro-karibischer Abstammung 

4. Die aktuelle Lage zum Glaukom

Die Verbreitung des Glaukoms 

In Deutschland sind es ganze 919.000 Menschen, die unter der Krankheit leiden.[8] 2,6 % der 55- bis 74-jährigen im Land weisen eine Schädigung des Sehnervs auf. 2.4 auf 100.000 Einwohner sind durch ein Glaukom erblindet.[9] 

Glaukom-Diagnose

Eine der effizientesten und verbreitetsten Methoden zur Diagnose eines Glaukoms ist die Optische Kohärenztomografie (englisch Optical Coherence Tomography, OCT). Bei diesem Test kommt Infrarotlicht zum Einsatz, um die Netzhaut modellhaft abzubilden. Auf diese Weise entdeckt der Optiker oder Augenarzt frühzeitige Veränderungen an der Netzhaut.

Studien zeigen, dass die Macula (sie beinhaltet 50 % der retinalen Ganglienzellen) im frühen Stadium eines Glaukoms mehr betroffen ist. Dies ist bei einer Untersuchung des Auges nicht leicht zu sehen (die Zeichen sind nicht so offensichtlich wie die Nervenschädigung bei Glaukom im fortgeschrittenen Stadium). Die OCT bringt dies zum Vorschein und erleichtert die fortlaufende Behandlung eines Patienten im Laufe der Zeit. Ein Glaukom kann so im frühen Stadium entdeckt werden, bevor der Sehnerv zu Schaden kommt. Je eher man mit der Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose. Was noch viel besser ist, ist, dass mehr und mehr Optiker dieses Gerät mittlerweile benutzen. 

Die Behandlung eines Glaukoms

Ein Großteil derer, die darunter leiden, behandeln es täglich mit Augentropfen. Dies kann sehr effizient sein, allerdings halten 90 % der Patienten den Behandlungsplan nicht ein und nahezu 50 % hören innerhalb von 6 Monaten mit der Behandlung auf.[10] Einer der Gründe ist, dass Patienten Schwierigkeiten haben, die Tropfen aufzutragen und durch Fehler im Gebrauch als unangenehm empfinden. 

Außerdem können nach einigen Jahren die Tropfen an Wirksamkeit verlieren. Dann kommt eine Trabekulektomie zum Einsatz. Das ist ein operativer Eingriff, bei der ein Ventil in der Lederhaut des Auges geschaffen wird. Dies ist in einigen Fällen wirksam, kann aber bei Patienten auch zu Infektionen oder anderen Komplikationen führen. 

Eine neuere, weniger invasive Technologie ist die iStent inject, die weltweit an 500.000 Menschen eingesetzt wurde. Dabei wird ein kleines Implantat in das Auge eingesetzt, das den erhöhten Augeninnendruck, der beim Glaukom auftritt, senken soll.[11] 

5. Die Vergangenheit: Glaukom-Behandlung in den 2000ern

Eine Vielzahl an Behandlungsmethoden wurden in den vergangenen 20 Jahren angewendet.

Prostaglandin-Analoga

Latanoprost wurde 1996 in den USA und in Europa eingeführt. Es erhöht den Ausfluss von Kammerwasser.

Betablocker

Timolol zum Beispiel ist ein Betablocker und die zweithäufigste, medizinische Behandlung eines Glaukoms. Es reduziert die Produktion von Flüssigkeit im Auge und ist als Generikum verfügbar, was es zu einer erschwinglichen Behandlungsmethode macht.

Alpha-2-Agonisten

Alpha-2-Agonisten sind nicht zur Langzeittherapie geeignet, da sie eine hohe Anzahl an Nebenwirkungen verursachen sowie Tachyphylaxie (sie werden mit der Zeit wirkungslos). Sie verringern die Produktion von Kammerwasser und reduzieren den episkleralen Venendruck im Auge. Sie werden angewandt, um den akuten Augeninnendruck nach einer Lasertherapie zu verringern oder zu verhindern. 

Systemische und Lokale Carboanhydrasehemmer

Diese Medikamente werden angewendet, um die Produktion von Kammerwasser zu verhindern und kann sowohl systemisch als auch lokal eingesetzt werden. Diese Behandlung weist viele Nebenwirkungen auf, unter anderem (bei lokaler Anwendung) Schmerzen und Brennen als lokale Reaktion, sowie allergische Reaktionen der Bindehaut und neurotrophe Keratopathie.

Eine Kombination an Augentropfen war und ist noch immer die weit verbreitetste Behandlungsmethode für Glaukom. 

6. Die Zukunft des Glaukoms im Jahr 2040

Die Technologie in der Glaukom-Behandlung entwickelt sich schnell weiter.   

Glaukom-Diagnose

Forscher der Flinders University und des QIMR Berghofer Medical Research Institute haben 107 Gene identifiziert, die das Risiko eines Glaukoms erhöhen. Sie haben einen Gentest entwickelt, der mit nur einer Blut- oder Speichelprobe ein Glaukom diagnostizieren kann, bevor Symptome auftreten.[12]

 Dieser Test macht es Ärzten leichter, Erblindung durch frühe Diagnose abzuwenden. Dies wiederum macht es einfacher, eine Prozedur festzulegen, die vorgibt, in welchem Alter, welche Untersuchungen stattfinden. Auch das Risiko der Familienmitglieder kann auf diese Weise analysiert werden.

Safran-Behandlungen

Eine an Mäusen durchgeführte Studie hat gezeigt, dass die orale Einnahme eines Extrakts aus Safran die Entzündung der Nerven, die mit Augeninnendruck einhergeht, verringern und somit ein Glaukom verhindern kann.

“Eye watch”-Technologie

Ein neues Gerät wurden an der Augenklinik in Manchester und dem St.-Thomas-Krankenhaus in London getestet. Es sieht aus wie ein Wasserhahn und wird ins Auge eingeführt. Der Arzt kann so den Druck verändern, ohne operieren zu müssen. Es wird von außen kontrolliert mittels eines Stiftes mit einem magnetischen Ende. Es hat den Vorteil, dass es sowohl schmerzlos als auch ohne Operation durchgeführt werden kann. Dadurch werden die Risiken einer Infektion und Komplikationen, die mit chirurgischen Eingriffen einhergehen, abgewendet.

7. Glaukom-Diagnose und Verzögerung

Obwohl bestimmte Gruppen eine höheres Glaukom-Risiko haben als andere, ist es für alle ratsam, die notwendigen Schritte einzuleiten, um sich davor zu schützen. Diese bedeutet unter anderem: 

·         Routine-Untersuchungen des Auges, die eine frühe Diagnose ermöglichen, bevor ein Schaden entsteht. Es wird empfohlen, diese alle 1-2 Jahre durchführen zu lassen.

·         Kenntnisse über die familiäre Vorgeschichte können dabei helfen, das eigene Risiko besser einzuschätzen.

·         Regelmäßige Anwendung verschriebener Augentropfen, wenn ein Risiko festgestellt wurde. Sich an den Behandlungsplan zu halten ist enorm wichtig, um das Glaukom-Risiko zu verringern.

·         Tragen eines Augenschutzes, um Verletzungen am Auge zu verhindern, die ein Glaukom zur Folge haben können. 

8. Zusammenfassung

Die Technologie zur Behandlung eines Glaukoms schreitet voran, aber es ist noch immer eine weit verbreitete Krankheit und muss als solche behandelt werden. Die Welt-Glaukom-Woche ist eine gute Gelegenheit, auf die Krankheit aufmerksam zu machen und zur Wachsamkeit aufzurufen, vor allem bei Risiko-Gruppen mit Hinblick auch regelmäßige Sehtests.

Roshni Patel, Bsc (Hons) MCOptom und Professional Services Manager bei Lenstore. Foto: Lensstore

Dieser Fachbeitrag von Roshni Patel, Bsc (Hons) MCOptom und Professional Services Manager bei Lenstore, wurde OPTIC+VISION von Lensstore zur Verfügung gestellt.

Roshni Patel, Bsc (Hons) MCOptom und Professional Services Manager bei Lenstore. Foto: Lensstore


[1]   https://www.aaojournal.org/article/S01616420(14)00433-3/fulltext

[2]  https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/blindness-and-visual-impairment

[3]  https://www.glaucoma.org/glaucoma/glaucoma-facts-and-stats.php

[4] https://www.aop.org.uk/ot/industry/equipment-and-suppliers/2019/12/23/istent-inject-the-microscoptic-implant-for-glaucoma

[5] https://www.aaojournal.org/article/S01616420(14)00433-3/fulltext

[6] https://www.lagazzettadelmezzogiorno.it/blog/nicola-simonetti/1149916/tutela-vista-contro-retinopatia-glaucoma-e-maculopatie.html?refresh_ce

[7] https://www.aaojournal.org/article/S01616420(14)00433-3/fulltext

[8] http://cms.augeninfo.de/nc/hauptmenu/presse/statistiken/statistik-glaukom.html

[9] Ibid.hni to advise

[10] https://www.aop.org.uk/ot/industry/equipment-and-suppliers/2019/12/23/istent-inject-the-microscoptic-implant-for-glaucoma

[11] Ibid.[12] https://www.technologynetworks.com/diagnostics/news/new-glaucoma-test-to-help-prevent-blindness-329629